Wer bist Du und woher kommst Du?
Mein Name ist Björn Wergen, ich stamme ursprünglich aus der Nordeifel, NRW, und wohne derzeit in Hornberg, Schwarzwald. Die Nordeifel, genauer gesagt der südliche Kreis Düren, hat recht viel Wald und als Kind und Jugendlicher war ich häufig draußen in der Natur, um vor allem nach Pilzen zu suchen. Mit meinen Eltern kam ich auch nach Österreich, Tschechien und die Slowakei.

Was hast Du in deiner Kindheit noch so gemacht?
Landkarten gemalt, auf durchsichtigem Papier. Ich war immer fasziniert von fernen, abgelegenen Gebieten. Ich habe noch heute eine ganze Sammlung gemalter Karten, ich habe sogar einmal, da war ich 9 oder 10, bei einem Preisausschreiben den 2. Platz gemacht. Da ging es darum, eine möglichst schöne Karte von Dänemark zu zeichnen.

Karten und Pilze, das ist aber nicht die 0815-Kindheit.
Nein, sicher nicht. In der Schule hatte ich immer recht gute Noten, meine Abschlüsse konnten sich sehen lassen, und meine Facharbeit in der 12. Klasse habe ich natürlich in Biologie gemacht, über die Taxonomie innerhalb der Gattung Ascobolus. Ansonsten würde ich aber sagen, dass ich ein Kind wie jedes andere auch war, nur halt von anfang an etwas „nerdy“.

Seit wann beschäftigst Du dich mit Pilzen?
Das weiß ich nicht so ganz genau, irgendwann hat es halt mal angefangen, ich schätze, dass mein Großonkel daran nicht ganz unschuldig war. Ich werd wohl so 6 oder 7 gewesen sein, ich kann mich an Ausflüge der Grundschule erinnern, bei denen ich meinen Klassenkameraden schon etwas über Porlinge und Becherlinge erzählen konnte. Das ist also, stand 2020, etwa 27-28 Jahre her.
Meine ganze Familie war ein bisschen verrückt nach Pilzen, aber ausschließlich für Speisezwecke. Meine Großmutter liebte Pfifferlinge und allgemein war das Pilzesuchen eine Wochenenderholung. Ich kann mich gut an die tollen Wälder direkt vor der Haustüre meiner Großeltern erinnern, wo ich schon als Kind alleine rumgestreunert bin.

Deine Spezialgebiete?
Schlauchpilze (Ascomyceten). Da bin ich definitiv zuhause und von denen besonders die Kernpilze (Pyrenomyceten). Intensiver begonnen habe ich damit etwa 2011 oder 2012, davor hatte ich von diesen Pilzen keine Ahnung und kannte nur die paar Arten aus Pilze der Schweiz, Band 1 (Ascomyceten). Die Schwierigkeit war vor allem, die kleinen Pilze zu finden und zu bestimmen. Ich bediente mich häufiger dem Pilzforum, damals noch pilzepilze.de, oder ascofrance.fr. Da wurde mir bei der einen oder anderen Art geholfen, aber die Dokumentation meiner Funde war miserabel und ich wusste auch noch nicht wirklich, was ich eigentlich alles so sah unter dem Mikro. Also habe ich mich eingearbeitet und mir vorgenommen, mehr zu erfahren, über den Tellerrand hinauszuschauen. Um 2016 enstand dann erstmals die Idee für ein Bestimmungsbuch, da hatte ich schon Hunderte Arten gefunden und mikroskopisch bearbeitet. Daraus sollten dann später zwei Bände mit über 800 Arten werden.
In den letzten Jahren sind viele weitere Pilzgruppen hinzu gekommen, aus beruflichen Gründen war ich mehr oder weniger „gezwungen“, mich mit allem zu beschäftigen und auf alle Fragen Antworten zu haben. Besonders Nichtblätterpilze (Keulen, Korallen, Rindenpilze, Porlinge, Gallertpilze) und seltene Lamellenpilze (z.B. Pseudobaeospora) haben sich zu den Spezialgebieten hinzugesellt.
Wenn ich es allgemein ausdrücken möchte, sage ich immer: Ich bin ein Spezialist für die Taxonomie und Morphologie der Pilze.